· 

Wörter bewegen Menschen: Wolf Schneiders Klassiker

Sprache ist viel mehr als nur ein Mittel zur Verständigung – sie ist ein mächtiges Werkzeug, das unser Denken, Fühlen und Handeln massgeblich prägt. Wolf Schneiders Buch «Wörter machen Leute» zeigt auf lebendige und anschauliche Weise, wie Worte unsere Gesellschaft formen, Machtverhältnisse beeinflussen und persönliche Begegnungen bereichern können. Dieses Buch ist ein Weckruf, bewusster mit Sprache umzugehen und ihre enorme Wirkung zu erkennen.


Von Ralf Stöckli

Philosophen wie Platon haben Worte bewusst und mit Bedacht eingesetzt.
Philosophen wie Platon haben Worte bewusst und mit Bedacht eingesetzt.

«Was kann man von Bankräubern lernen?», fragte Wolf Schneider einmal in einer Videokolumne, um nach einer Dreisekundenpause seine Antwort gleich nachzuschieben: «Sie formulieren kurze, prägnante Sätze.»

 

Haben Sie sich jemals gefragt, warum ein gut gewähltes Wort mehr bewirken kann als eine lange Rede? Oder warum bestimmte Begriffe in der Politik, Werbung oder im Alltag so viel Einfluss haben?

 

Wolf Schneider (*1925, +2022), war einer der bekanntesten deutschen Sprachprofis. Er prägte in seinen Stationen in leitenden Funktionen u.a. den Stern und Die Welt, machte sich in der NDR Talk Show einen Namen und hat auch regelmässig für das NZZ Folio der Neuen Zürcher Zeitung geschrieben. 1979 wurde Schneider Leiter der Hamburger Journalistenschule (später Henri-Nannen-Schule). Bis 1995 prägte er die Ausbildung, stärkte den Ruf der Schule und positionierte sich als Sprachlehrer und -kritiker.

 

In seinem Buch «Wörter machen Leute», das 1976 erschien, hat er seine Leser*innen zu einer faszinierenden Reise durch die Welt der Sprache eingeladen. Dabei macht er deutlich: Worte sind keine blossen Zeichen auf Papier, sondern lebendige Werkzeuge, die unsere Welt gestalten.

 

Schneider zeigt im Buch auf, dass die Kraft der Sprache tief in unserer Geschichte verwurzelt ist – von den philosophischen Gedanken Platons bis hin zu den komplexen Strukturen der modernen Linguistik à la Noam Chomsky.

 

Doch sein Fokus liegt nicht nur auf Theorie. Er bringt die Theorie zum Leben, indem er mit Beispielen aus Literatur, Politik und Alltag illustriert, wie Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst. Ob Heinrich Böll, Hitler oder die Psalmen – alles hat mit Worten zu tun.

 

Politische Sprengkraft der Worte

Ein zentrales Thema bei Schneider ist die politische Sprengkraft der Worte. Er erklärt, wie Politiker Sprache gezielt einsetzen, um Macht zu sichern, Gesellschaften zu manipulieren oder auch zu spalten. Worte schaffen Realitäten: Sie sind das Fundament von Gesetzen, Ideologien und Weltbildern. Gleichzeitig warnt er vor den Gefahren unverständlicher, verschachtelter Texte, die Menschen im Alltag und in den Medien oft nur noch verwirren.

 

Doch in Schneiders Buch geht es auch um praktische Tipps: Wie schreibt man klarer, lebendiger und verständlicher? Seine Empfehlungen sind zeitlos und heute aktueller denn je. Kurze Sätze, starke Verben, konkrete Bilder – das sind die Bausteine für überzeugende Kommunikation. Gerade in Zeiten von Social Media, in denen Aufmerksamkeitsspannen kurz und Zeichenbegrenzungen Alltag sind, sind diese Ratschläge Gold wert.

 

Was macht dieses Buch so besonders?

Es öffnet die Augen für die enorme politische und gesellschaftliche Kraft der Sprache. Worte können Trost spenden oder verletzen, Zugehörigkeit schaffen oder Menschen ausgrenzen. Sie sind das Mittel, mit dem Gesellschaften gestaltet werden – sei es in Demokratien oder Diktaturen.

 

Wolf Schneider bringt es auf den Punkt: Bewusstes Schreiben und Sprechen sind keine Nebensache, sondern essenziell für eine funktionierende Gesellschaft. Wer seine Sprache schärft, gewinnt nicht nur an Verständlichkeit, sondern auch an Einfluss. Denn in jedem Wort liegt die Macht, unsere Welt zu formen – für gute oder schlechte Zwecke.

 

Wenn Sie mehr über die faszinierende Welt der Sprache erfahren möchten, ist «Wörter machen Leute» eine lebendige Inspiration. Es zeigt, wie Worte unsere Realität erschaffen und wie wir sie gezielt für uns nutzen können. Denn letztlich ist Sprache das wichtigste Werkzeug, das wir besitzen – für den Erfolg, für die Verständigung und für die Gestaltung unserer Gesellschaft.